Hannah Schneider gewinnt Gold beim European Youth Olympic Festival


Text: Büscher  Bilder: Schneider, Petzoldt

 

Wir haben mittlerweile zahlreiche sportliche Talente in unseren Reihen, die sich auch auf nationaler Ebene ganz weit vorne zeigen, aber Hannah Schneider war stets für die ganz besonderen Leistungen zuständig. Deutschen Altersklassen Rekord für 12-Jährige in 200 Meter Brust im Jahr 2020, Deutsche Jahrgangstitel auf allen 3 Bruststrecken 2022, erneut alle drei Titel 2023. Da scheint der erste internationale Einsatz für die Nationalmannschaft nur folgerichtig. Aber wie schon die Erfolge zuvor erreicht man diese Leistung weder durch Zufall noch durch Glück, sondern einzig und allein mit kontinuierlichem und konzentriertem Training.

 

Das European Youth Olympic Festival 2023, ein Multisportswettkampf nach Olympischen Vorbild nur entsprechend auf Europäischer Ebene, hatte Hannah schon zu Saisonbeginn im Herbst 22 ins Visier genommen. Die Jahrgänge 2008 und 2009 konnten sich bei den Damen qualifizieren, aber jeweils sicher nur eine Sportlerin pro Stilart. Auf eventuelle Nachnominierungen wollte man sich nicht verlassen, d.h. im Qualifikationszeitraum, der lediglich über 2 Wochenenden reichte, galt es die national schnellsten Zeiten in 100 und 200 Meter Brust zu absolvieren. Mit Trainerin Nicola Petzoldt und Landescoach Ingolf Bender als Berater wurde ein genauer Trainingsplan ausgearbeitet und Hannah konnte ihre Hofheimer Trainingskollegen nicht schlecht beindrucken als sie schon in den Weihnachtsferien kommunizierte sie wisse für die nächsten 5 Monate jeden einzelnen Tag, was sie mache…

 

Professionelle Planung schafft sowohl Sicherheit als auch Selbstbewusstsein und mit diesem Selbstbewusstsein flog Hannah im April vom Trainingslager auf Sizilien direkt nach Berlin, wo die erste Möglichkeit der Qualifikation bestand. Souverän schwamm sie auf den 100 Meter Brust eine neue Bestzeit, 1:10,72 bedeutete einen Vorsprung von 1 Sekunde vor der Konkurrenz. Am Wochenende drauf ließ sie 2:33,52 auf 200 Meter Brust folgen. Nun führte sie beide Strecken deutlich an und der Nominierung für das „Jugend Team D“ stand nichts mehr im Wege.

Die EYOFs fanden in diesem Jahr im Juli in Maribor statt, d.h. erneut viel Training, zwischendurch noch drei Titel bei der DJM mitnehmen, Trainingslager mit dem Verband etc. Naturgemäß möchte man dann auch bei diesem Event nochmal top Leistungen abliefern. Das gelang Hannah, obwohl sie es leider nicht schafft, ganz an ihre Bestleistungen aus dem April anzuschließen. Als ersten Start absolvierte sie die 200 Meter Brust, wo sie in 2:35,31 den 11ten Platz erreichte. Nachdem etwas mentale Aufbauarbeit geleistet wurde, liefen die 100 Meter Brust schon deutlich besser. In 1:11,05 schaffte sie sicher den Einzug ins Halbfinale. Auch dies eine völlig neue Herausforderung, gleich zwei Mal voll zu schwimmen, um überhaupt ins Finale zu kommen. Aber sie hielt dem Druck stand und schaffte ihr persönliches Ziel, den Einzug ins Finale, wo sie in 1:11,33 den 5ten Platz erzielte. Diese Leistung sicherte ihr auch einen Platz in der 4x100 Meter Lagenstaffel, in der sich die deutsche Mannschaft berechtigte Medaillenhoffnung machte. Am letzten Tag einer einwöchigen Veranstaltung zeigen sich naturgemäß Ermüdungserscheinungen, aber das Staffelformat und die Aussicht auf Edelmetall setzten bei allen nochmal Kräfte frei. In einem beherzten Rennen, das bis zum Schluss spannend war, schaffte es das deutsche Quartett sich am Ende auf den ersten Platz zu schieben und den ersehnten Titel zu holen. So durfte unsere Hannah dann bei der Siegerehrung die Deutsche Hymne für ihre Leistung hören.

 

Mit einer Goldmedaille und vielen Erfahrungen im Gepäck verabschiedete sie sich dann erstmal in den wohlverdienten Urlaub. Ganz sicher bedeutet diese Medaille nicht das Ende ihrer sportlichen Träume, sondern macht Appetit auf mehr.

Da es zunehmend schwerer wird auf diesem Niveau als „kleiner“ Verein ein entsprechendes sportliches Angebot bereitzustellen wird Hannah nach den Sommerferien zum Stützpunkt nach Heidelberg wechseln, wo sie auf ein professionelles Umfeld hoffen kann. Trainerin Nicola Petzoldt hatte schon in den vergangenen Jahren mehrere Trainingsmöglichkeiten für Hannah am dortigen Olympiastützpunkt ermöglicht, so dass Hannah schon ein bisschen weiß, was auf sie zukommt. Wir sind sehr gespannt auf Hannahs weiteren Weg und wünschen ihr alles Gute und viel Erfolg.