Deutsche Jahrgangsmeisterschaften in Berlin

Text: Sabine Büscher; Bilder: Nicola Petzoldt, Andrea Schneider

 

Wir fahren nach Berlin…

 

Die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften sind mittlerweile neben den Mehrkampfmeisterschaften das Kerngeschäft des Hofheimer Schwimmclub und der alljährliche Höhepunkt unseres Schwimmeruniversums.

In diesem Jahr sind wir nicht nur zahlenmäßig in Rekord Mannschaftsstärke in Berlin, unsere Sportler sind auch geschmückt durch ein neues einheitliches DJM-Outfit als Mannschaft nicht zu übersehen. Ansonsten sind die Abläufe von Anreise über Hotelwahl, bis hin zu Mittag- und Abendessen standardisiert und optimiert. Nichts soll dem Zufall überlassen werden.  

 

Trotzdem ist aller Anfang schwer und jedes Jahr trifft es Ruth Lea Wuttke (2010), die am Ersten Tag in aller Früh den Anfang über 200 Meter Schmetterling machen muss. Diesmal an ihrer Seite Sirin Bellot (2011). Für Sirin der erste Auftritt auf nationaler Bühne. Aufgrund von Schulterproblemen und einigen Infekten hat Sirin leider über das Jahr einiges an Trainingsrückstand angesammelt. Die 200 Meter Schmetterling lassen leider wenig Diskussionen zu in dieser Hinsicht. Voll motiviert ging Sirin an, den Trainern schwante vermutlich Böses. Leider musste Sirin ihrem forschen Angangstempo dann auch Tribut zollen auf der zweiten Runde. Die Züge wurden kürzer, die Konkurrenz zog vorbei. Mit 2:49,32 rettete Sie sich am Ende ins Ziel. Lehrgeld nennt man das wohl, aber Sirin hat ja noch die 100 Meter Schmetterling, um sich erneut zu beweisen.     

Ruth ist mit mehr Erfahrung und dosierter ins Rennen gegangen, so dass sie „hintern raus“ das Tempo gut halten konnte. Am Ende sprang für sie eine 2:45,82 raus. Besser als beim letzten Rennen in Hannover, trotzdem leider knapp über Bestzeit. 

Jannes Kämper 2010), William Klotz (2011) und Maximilian Hartmann (2011), unsere Jungs auf der 200 Meter Schmetterlingstrecke hatten da schon etwas mehr Zeit sich mental und körperlich warm zu machen. Für Maxi und William zum ersten Mal die Reise nach Berlin. Für Maxi ist als Brustschwimmer, sind die 200 Meter Schmetterling eine Nebenstrecke und willkommener Aufgalopp. Er schwamm ein solides Rennen und blieb in 2:42,77 knapp über Bestzeit. William ist sehr vielfältig, 200 Meter Schmetterling gehört dabei zu seinen stärkeren Disziplinen. Leider hatte er sich in der Vorwoche noch etwas den Nacken gezerrt. Trotzdem ging er das Rennen beherzt, aber nicht zu schnell an, und konnte am Ende mit 2:34,74 eine Bestzeit schwimmen. Mit Platz 11 ein solider Einstieg in eine lange Berlin Woche. Jannes hingegen hatte klar das Ziel Finale ausgegeben. Im letzten Jahr knapp vorbei geschrammt, gab ihm das offensichtlich sehr viel Motivation für das ganze Trainingsjahr. Die Trainer waren sich einig, wenn es einer verdient hat, dann Jannes. Gemacht, getan, mit vorsichtigem Angang, aber sehr solidem Finish schwamm sich Jannes in Bestzeit von 2:24,57 sicher als fünfter ins Finale.

 

Als nächstes standen die 50 Meter Brust auf dem Programm

Nun können wir uns schon seit Jahren auf unsere Brustschwimmer verlassen. In der Tat haben wir alle unsere DJM-Medaillen der letzten 2 Jahre auf den Bruststrecken gewonnen. Mit Hannah Schneider (2008) im Gepäck, haben wir natürlich immer einen Trumpf auf der Hand. 

Hannah hat bereits ein aufregendes Jahr hinter sich. Nachdem Sie im letzten Jahr mit der Teilnahme an den European Youth Olympic Festival, wo sie Gold mit der Staffel gewann, für den erfolgreichsten Moment ihrer Karriere sorgte, wechselte sie danach zum Olympiastützpunkt nach Heidelberg. Mehr Training in einer sehr leistungsstarken Trainingsgruppe, neue Schule, wohnen im Wohnheim und alles, was sonst so mit einem Auszug von daheim verbunden ist.

Von Anpassungsproblemen keine Spur, Hannah machte genau da weiter, wo sie aufgehört hatte, und schaffte in diesem Jahr bereits die Qualifikation zu den Jugend Europameisterschaften, die im Juli in Vilnius stattfinden werden. Die DJM also nur eine „Durchgangsstation“ wie im letzten Jahr auch schon und da lief es ja schon ziemlich gut. Hannah würde doch wohl ein paar Medaillen nach Hofheim holen…

Der Vorlauf lief schonmal souverän, Platz eins in 0:32,34.

Viel unerwarteter und sehr erfreulich verlief das Rennen für unsere weiteren Protagonistinnen.

Hannah Marie Mertigs (2011) Saison verläuft bis jetzt wie eine Fieberkurve, von ganz oben, bis ganz unten, gerne auch mal innerhalb eines Wettkampfes. Graue Haare für die Trainer garantiert verlief aber die jüngste Vorbereitung gut und wenn man sich auf eins bei Marie verlassen kann, ist das eine ausgeprägte Wettkampfstärke. Da rieben sich Trainer und Fanclub die Augen nicht schlecht, als Marie den Vorlauf als Schnellste und in Bestzeit (0:35,19) beendete.

Für den Jahrgang 2010 gingen wie im letzten Jahr Marie Topuzovic und Siri Knecht an den Start. Marie hat leider auch eine alles andere als optimale Vorbereitung hingelegt. Schulterschmerzen hielten sie im Frühjahr lange sowohl von regulärem Training als auch der Teilnahme an Wettkämpfen ab. Sie konnte froh sein noch rechtzeitig auf den DJM-Zug aufgesprungen zu sein, insofern galt die Devise erstmal, dabei sein ist alles. Aber manchmal verleiht Lockerheit ja Flügel. In 0:35,27 legte sie eine neue Bestzeit hin, die am Ende Platz 9 bedeuteten, hauchdünn am Finale vorbei. Siri hatte wie Jannes das Ziel Finale ausgegeben, die Vorleistungen machten Mut und professionell setzte sie ihr Ziel um, 0:34,69 bedeuteten Bestzeit und Platz 4.

Maxi durfte auch noch über 50 Meter Brust ran. 0:37,39 bedeuteten keine Bestzeit. Für ihn heute die Devise akklimatisieren, er hat noch drei weitere Starts.

Arthur Geis (2008) konnte schon große Erfolge auf den Bruststrecken feiern. Leider auch für Ihn eine schwierige Saisonvorbereitung. Viele schwere Infekte unterbrachen immer wieder das Training und machten eine kontinuierliche Vorbereitung unmöglich. Das kann man sich auf Arthurs Niveau nicht erlauben. Trotzdem schaffte Arthur in 0:30,42 eine Bestzeit, verpasste aber leider knapp das Finale.    

 

Als nächstes ging unsere Lieblings Norwegerin Hannah Viether (2008) an den Start. Als ausgewiesene Sprinterin stehen für sie die kurzen Freistil und Schmetterlingstrecken auf dem Programm. In 0:58,95 blieb sie zwar sechs zehntel über Bestzeit, konnte aber als 8te das Finale am Abend erreichen.

Den Abschluss machte Oskar Reimann (2011), der gleich zu Begin den langen Kanten von 1500 Meter Freistil vor der noch nicht so breiten Brust hatte. Er machte seine Sache aber sehr gut und konnte in Bestzeit von 18:58,77 die 19 Minuten Schallmauer brechen, Platz 10 für ihn.  

 

Im Finalabschnitt durften wir uns also auf fünf Hofheimer Schwimmer*innen und reichlich Spannung freuen.

Den Anfang machte Jannes mit 200 Meter Schmetterling. Nach dem Vorlauf war schon klar, dass eine Medaille außer Reichweite ist, d.h. es ging darum nochmal eine möglichst gute Zeit zu schwimmen. Er ging das Rennen mutiger an, als am Vormittag und obwohl die letzten 50 Meter darunter etwas litten, wurde sein Einsatz mit einer erneuten Bestzeit von 2:23,21 und Platz sechs belohnt. Wir sind gespannt, was er sich für das nächste Jahr vornimmt.

Ab jetzt hieß es Luft anhalten. Dreimal 50 Meter Brust, dreimal alles oder nichts, wobei Hannah sicher die größte Bank darstellte. Für Marie und Siri aber ging es um sehr viel. Dieser Moment, wenn man schon eine Hand am Edelmetall hat. Den Auftakt machte Marie, Start und Tauchzug so mittel, aber dann sehr überzeugend, schwamm sie sich an die Spitze eines super engen Feldes. Beim Anschlag noch mal einen kurzen Extrazug gewählt, gute Wahl, denn da strahlte sie an der Anzeigentafel: die 1!! Gold in Bestzeit von 0:35,16. Herzlichen Glückwunsch an Marie für den deutschen Meister Titel nach einem nicht so einfachen Jahr bisher. Sie hat sich zwischendurch viel Kritik anhören müssen und hat es heute allen gezeigt. Well done.

Schon im nächsten Lauf folgte Siri, die sich offensichtlich von Maries Erfolg inspirieren ließ. Auch sie ging beherzt ins Rennen und schmiss all ihr Können in diese 50 Meter. Wenns läuft dann läufts, erneut Edelmetall. Platz drei in 0:34,20. Bronze geht erneut nach Hofheim. Auch hier riesige Freude bei Schwimmern, Trainern und Fans.

Zeit das der Puls mal wieder nach untern geht. Hannahs Finale stand jetzt an und sie würde doch das dritte Edelmetall sichern. Der Start und die ersten 15 Meter schienen aber gar nicht so gut zu funktionieren. Die junge Dame neben ihr war schon ein kleines Stück enteilt. Hannah ließ sich aber nicht beirren, schwamm quasi ein 50 Meter Steigerungsrennen und schob sich sicher auf Platz 1. In 0:31,99 blieb sie dazu noch das erste Mal unter der 32 Sekunden Marke. Vereinsrekord und ein weiterer deutscher Meistertitel in ihrer großen Sammlung.

Nach diesem „warmen Regen“ stand noch die 100 Meter Freistil unserer zweiten Hannah an. Leider fehlte es noch etwas an Spritzigkeit, so dass sie die Zeit vom Vormittag zwar bestätigen, aber nicht verbessern konnte. Trotzdem ein solider 7ter Platz und drei weitere Strecken für die.

 

Ein Tag der Superlative endete damit für den HSC. Unser kleiner Club hat erneut eine deutliche Markierung auf der Deutschen Schwimmlandkarte hinterlassen. Drei Medaillengewinner, zweimal Gold. Die Pflicht ist erledigt, jetzt kommt die Kür.

Die Trainer können bereits jetzt sehr zufrieden sein und die Fans sind sehr gespannt was die Woche noch bringt.